215 Jahre wurde die Marseillaise im
Jahr 2007
von Bernhard Götz
Komponiert wurde sie von einem Offizier der
französischen Revolutionstruppen namens Rouget de Lisle in der Nacht vom 25.
zum 26. April 1792. Zuvor hatte König Ludwig XVI auf Druck der Revolutionsregierung
am 20. April 1792 Österreich und Preußen den Krieg erklärt. Diese hatten zuvor
gedroht, in Frankreich zu intervenieren, falls die Monarchie angetastet wird.
Damit hat der sogenannte erste Koalitionskrieg (Koalition aus Preußen, Österreich
und später England gegen Frankreich) begonnen.
Die Marseillaise war also ein Soldatenlied für
diesen Krieg. Die Koalitionsarmee hatte Anfangserfolge und marschierte auf Paris
zu. Bei Valmy kam es am 20.9.1792 zu einem größeren Artillerieduell (Kanonade
von Valmy) mit dem die Koalitionsarmee gestoppt wurde.
Johann Wolfgang von Goethe war unter den
preußischen Truppen dabei und erklärte: „Von hier und heute geht eine neue
Epoche der Weltgeschichte aus und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen“. Danach
musste die Koalitionsarmee den Rückzug antreten. In der folgenden Offensive der
französischen Armee wurden das ganze linke Rheinufer, Savoyen und die Niederlande
erobert. Auf der linken Rheinuferseite und in der von französischer Seite eingerichteten
Republik Mainz konnte die deutsche Bevölkerung die Errungenschaften der
französischen Revolution kennen lernen. Der französische König Ludwig XVI und
seine Frau Marie Antoinette verloren neben vielen Soldaten und Zivilisten
während diesem Krieg ihr Leben am 21.1.1793 und 16.10.1793 wegen ihrer Kontakte
ins Ausland (Todesurteile wegen Hochverrats). Einen vorläufigen Schlusspunkt in
diesem Krieg setzte der Friede von Basel am 5.4.1795, in dem Preußen aus dem
Krieg ausschied. Mit Österreich wurde am 17.10.1797 der Friede von Campoformio
geschlossen. Mit England wurden die militärischen Auseinandersetzungen
fortgeführt.
Die Marseillaise blieb nicht mit diesem Krieg und
den revolutionären Ereignissen 1792 in Paris allein verbunden. Am 14.7.1795
wurde das Lied zur Nationalhymne erklärt. Napoleon liebte die Hymne wenig, die
restaurierte Monarchie lehnte sie ab. Wiederbelebt wurde sie 1830 nach einer
Revolution gegen die restaurierte Monarchie. Im zweiten Weltkrieg wurde die Marseillaise
von Marechal Petain verboten, von der Restistance aber gepflegt. 1946 wurde sie
von Verfassungs wegen wieder Nationalhymne.
Heute ist in Frankreich eine Diskussion
entstanden, ob der Text der Marseillaise, noch zeitgemäß ist. Ist der Text
nicht aber ein wichtiges Zeitdokument, ein historisches Monument und ein
Mahnmal an schlimme Zeiten, die wir alle, Franzosen, Deutsche und Europäer nie
wieder herbeiwünschen wollen?